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Zehn Jahre Bürgerschaftliches Engagement in Radolfzell
„Die öffentlichen Dinge sind nur da in Ordnung, wo der Bürger vor die Tür treten kann, um nachzusehen, was es gibt.“ Gottfried Keller VorgeschichteAm 13. Dezember
1995 gründete
sich in Stuttgart die Landesarbeitsgemeinschaft zur Förderung des
Bürgerschaftlichen Engagements (BE). Ziel war der Aufbau eines
Landes-netzwerkes mit einer Stabsstelle für Bürgerengagement
und
Freiwilligendienste im Ministerium für Arbeit und Soziales. Diese
wurde von Dr.
Konrad Hummel („die Spinne im schwäbischen Netz engagierter
Bürger“) geleitet,
der aufgrund seines 1992 publizierten Buches „Freiheit statt
Fürsorge –
Vernetzung als Instrument zur Reform kommunaler Altenhilfe“
(Erfahrungen aus
dem Projekt „Älter werden“ in Augsburg) als Mitinitiator der Idee
vom
Bürgerschaftlichen Engagement (BE) anzusehen ist. Der Anfang in Radolfzell„Was hier geschieht – Jeden
geht’s an –
Gemeinsam helfe mit daran“ (an
einem öffentl.
Gebäude in Hallein, Salzkammergut)
1994 war der
Seniorenbeirat als
neues Gremium im Gemeinderat eingeführt worden und es gab einen
von diesem
betreuten öffentlichen Seniorentreff. Dr. Konrad Hummel aus
Stuttgart,
Bürgermeisterin Isabel Fezer, Gunter Hamburger als
Geschäftsführer der Diakonie
und der Vorsitzende des Seniorenbeirates Gerhard Klawitter stellten am
Dienstag, 21. Oktober 1997 im Scheffelhof das Vorhaben
„Bürgercafè“ der
Öffentlichkeit vor. Am 17. November kamen im Seniorentreff
Teggingerstraße um
19.00 Uhr etwa 25 Personen zusammen, unter der Leitung von Gabriele
Kühnen
(Diakonie), die auch seit Beginn 1997 den (heute aufgelösten)
„Seetauscher-Tauschring“ mitorganisiert hatte, und
von Uwe Donath (VHS). Beschlossen wurde, einen
Bürgertreff zu
eröffnen, wo sich „junge und junggebliebene Bürger“ als
Freiwillige für
ehrenamtliches Engagement einfinden sollten. Margot Hovingh (AWO)
verteidigte
den Seniorentreff „Wir lassen uns nicht vertreiben!“ Sie wünschte
eine andere
Örtlichkeit für das Bürgercafè. Gelegentlich
benötigte auch das Stadtmuseum
Radolfzell für Eigenveranstaltungen den Raum im Erdgeschoss der
Teggingerstraße
16. Am 28. Mai 2003 spekulierte man über einen geplanten Verkauf
des ehemaligen
Reichsbankgebäudes und es entstand weitere Verunsicherung
darüber, wie und wo
Zusammenkünfte der Initiativen und Senioren in Zukunft stattfinden
können. 2004
erwarb die Diakonie das Haus, wirbt im Internet mit dem BIS und plant
für 2007
ein von der Bundesfamilienministerin Ursula van der Leyen
mitgefördertes
„Drei-Generationen-Haus“ mit Bürgercafè. „Schaffen“
steht für kreatives
Wirken, sowie umsetzendes Handanlegen. Der Beitrag zur Namensgebung
erfolgte am
8. Dezember 1997 von Klaus Müller, der sich um die
Öffentlichkeitsarbeit und
Projektorganisation bewarb, die ab Januar 1999 von Lionel Seaton-Yates
übernommen wurde. Mit dem BIS wollen BürgerInnen zur
Lösung sozialer Probleme
beitragen. Es gibt bezahlte Anlaufstellen und Moderatoren,
sowie
Schulungen und Fortbildung. BürgerInnen machen die Angelegenheiten
ihres
Gemeinwesens zu einer gemeinsamen Sache, an der sie sich mit Kompetenz,
Spaß
und Gleichberechtigung beteiligen. Die Interessen- und
Kontaktbörse
vermittelt in einem sechsköpfigen Team, das wöchentlich 7-9
Stunden tätig ist,
die verschiedenen Anfragen und Angebote. Eine Koordinierungsgruppe,
in
der die Interessenvertreter aus verschiedenen Initiativen und Gruppen
sitzen,
kümmert sich um die laufenden Geschäfte vom BIS. Am 16.
September 2002 gab es
eine Krisensitzung dieses Gremiums, nachdem sich Klaus Müller,
Klaus-Dieter Zühlke
und Rose Bolbach zurückzogen (sonst regelmäßig anwesend
waren noch Uwe Donath
von der VHS und Manfred Class). Am 26. März 2002 beklagte man sich
in der
Koordinierungsgruppe: „Frau Bürgermeisterin Isabel Fezer wird mit
der
unbefriedigenden Situation des BE bekannt gemacht ... Die personelle
Ausstattung des BE ist völlig unzureichend, die sachkundigen
Bürger wurden bei
den Ausschüssen des Stadtrates ausgeschlossen, die Stadtplanung
läuft an den
Bürgern vorbei, das Schiesser-Projekt ist zum Erliegen gekommen.
Die vom Land
BW initiierten BE-Aktionen sind ausgelaufen, die Hinwendung zur
Bürgergesellschaft somit nicht möglich ... Der OB...gedenkt,
das Ehrenamt in
das Stadtmarketing...mit einzubeziehen.“ Heute besteht die
Koordinierungsgruppe
aus dem Kontaktbörsenteam und Teilnehmern der Initiative „Senioren
ans Netz“. Der
Spielplatz in der Schlesierstraße
Am 27. Juli
1998 wurde in einer
Mitteilung der VHS an Ursula Frenz in Stuttgart (Stabsstelle des
Landesnetzwerkes) erwähnt, dass die Rentnerin/ ehemalige
Betriebsrätin Gudrun
Bockelmann den Architekten Helmut Höner gewonnen habe für die
Idee eines
Spielplatzes gegenüber der Grundschule Sonnenrain, der 1998 wegen
baulicher
Mängel geschlossen wurde und sich in einem sozialen Brennpunkt mit
Asylbewerbern und Obdachlosen befindet. Bereits
am 21. Juli 1998 informierte Uwe Donath von der
VHS
Bürgermeisterin Isabel Fezer und am 12. August den Schulleiter
Peter Seemann
von der Grundschule darüber, dass ab 14. September ein Flugblatt
der BIS
BürgerInnen in das Projekt aktiv einbinden sollte. Am 9. Oktober
sollte dann
eine öffentliche Sitzung in der Sonnenrainschule stattfinden, am
06.10. wurde
der Antrag beim Bauamt eingereicht. Architekt Höner stellte das
Projekt zur
Feier des einjährigen Bestehens vom BIS, dem 05.12.98, der
Öffentlichkeit vor:
Im Frühjahr 1999, ab 17. April, sollten druckimprägnierte
Rundhölzer für ein
neues Spielgerät verbaut werden. Es galt nun, die
Arbeitseinsätze, den Aushub
und das Betonieren der Fundamente zu planen, es wurde um Spenden,
Bäume, Bänke,
Tische, Humus, Betonrohre für eine Kriechröhre gebeten. Ein Weidenhaus sollte ebenfalls erstellt
werden.
Am 17. September fand die Einweihung mit Kuchen, Grillwürsten und
Getränken
statt, nachdem über 1200 Arbeitsstunden freiwillig und
unentgeltlich an
Wochenenden geleistet worden waren. Regelmäßig wurden
Anzeigen geschaltet
„Helfer gesucht“. In einem Handzettel an die Nachbarn hieß es:
„Eine große
Unterstützung wäre für uns aber auch, wenn unsere Arbeit
nicht wieder zerstört
wird, so wie in dieser Woche geschehen und wir deshalb zusätzliche
Zeit und
mehr Material brauchen.“ Den Materialwert der Spielgeräte
über 32.000,- DM
bezahlte die Stadt, sowie die Folgekosten durch den laufenden Unterhalt
des
Spielplatzes. Oberbürgermeister Günter Neurohr thematisierte
auf seine Weise
den Unterschied des BE zur traditionellen „Gemeinwesenarbeit“ (GWA),
die zwar
den Dienst betont, aber nicht die Partizipation. Am 15. Januar 2000 gab
es eine
Ehrung im Neuen Schloss in Stuttgart, Klaus Müller und
Bürgermeisterin Isabel
Fezer nahmen den Preis für die Bürgeraktion entgegen. Am
15./16. März 2000 in
Mannheim erfolgte eine Präsentation des Spielplatzprojektes auf
dem Markt der
Möglichkeiten/ Kongress „Meet Ideas: Solidarität und
Selbstverantwortung – von
der Risikogesellschaft zur Chancengesellschaft“. „Zukunft
braucht Herkunft“
wurde ein neues Projekt des BIS, da die Industriegeschichte von
Radolfzell mit
der Schließung des Werkes SCHIESSER ein vorläufiges Ende
fand. Die Gedanken am
12. April 2000 im Nachhall zum Mannheimer Kongress kreisten um „Neuorientierung
bei Arbeitsplatzverlust“, um die Frage, wie der Verlust des
Arbeitsplatzes
nicht auch zum Verlust des Platzes in der Gesellschaft wird. In einem
Aufsatz
über „Eine Börse für Bürgerarbeit“
hieß es: „Das größte Kapital der
Arbeitslosen ist die ZEIT, man kann sie nutzbringend für andere
und für sich
selbst einsetzen, oder man schlägt sie tot (bis zum eigenen
letzten Stündlein)
... Vielleicht fehlt es auch nur an naheliegenden Möglichkeiten
der Betätigung,
die künftig dieselbe Bedeutung haben, wie bezahlte Erwerbsarbeit
... Doch muss
man zuerst die Chance haben, den Lebensunterhalt zu sichern ... Eine
weitere Verbreitung
der Arbeitslosigkeit zerstört die Freiheit, sich für Dritte
oder die
Gemeinschaft zu engagieren und würde daher das Potenzial an
Freiwilligenarbeit
nicht vermehren, sondern eher verringern ... In naher Zukunft wird ein
kleiner
Teil der im Erwerbsleben stehenden Bevölkerung einen wachsenden
Teil der nicht
oder kaum im Erwerbsleben stehenden wirtschaftlich erhalten müssen
(aber nicht
wollen).“ Am 8. Mai 2001 –
historischer
Gedenktag seit 1945 - fand ein Rundgang durch das Werk SCHIESSER statt,
durch
„Bereiche, die es bereits nicht mehr gibt oder demnächst nicht
mehr geben
wird“. Deshalb müsse mit der Dokumentation möglichst bald
begonnen werden.
Firma SCHIESSER war an dem BIS-Projekt sehr interessiert und sicherte
jede
Unterstützung und Mitarbeit zu, da man hier eine Form von
Öffentlichkeitsarbeit
sah. Eine entsprechende Präsentation der Industriekultur seit den
1870er Jahren
erfolgte für das Stadtmuseum, die auch auf Firma ALLWEILER und das
MILCHWERK
ausgedehnt wurde. Das
internationale Freiwilligenjahr 2001
Der neue
Oberbürgermeister Dr.
Jörg Schmidt erklärte mit Schreiben vom 19. Dezember 2000 die
Mitarbeit
Radolfzells im Landesnetzwerk BE. Nach Mitteilung von Dr. Konrad Hummel
von der
Geschäftsstelle BE im Sozialministerium wurde die
Auftaktveranstaltung der UN
zum Freiwilligenjahr in Amsterdam vom 14.-18. Januar abgehalten,
eröffnet von
Königin Beatrix der Niederlande. In über 140 Staaten gebe es
nationale
Freiwilligenkomitees, hervorzuheben seien die „Kursangebote“ auf
lokaler Ebene
in Dänemark, die sich mit persönlicher Entwicklung und
Grenzen des
Freiwilligeneinsatzes befassen. Es gehe um das Erlernen freiwilliger
Sozialarbeit, ein Aufsatz von Ann B. Brixen vom dänischen
„Volunteer Centre“.
Bürgerbeteiligung sollte durch das Konfliktinstrument der
Mediation, bei dem
die beteiligten Partner mit Hilfe ausgebildeter Moderatoren nach
einvernehmlichen Lösungen suchen, gesichert werden. Überhaupt
ging es um die
Ausbildung von MentorInnen für BE im Sozialmanagement in
Gemeinschaftsinitiativen. Daraus entstand „Fachkräfte im
Landesnetzwerk BE“
(FaLBE), Motto „Corporate Citizenship – Packen wir`s an“.
Umgesetzte
Projekte wurden als einzig gültiger Ausgangspunkt des BE
angesehen. 2001 gab
es in Radolfzell 16 MentorInnen, davon 6-8 aktive, die auf
Initiative von
Renate Auer und Claudia Black-Rügert am 10. April 2002 im
Schwertgarten
gegenüber vom Pro-Seniore-Stift eine Wildbirne pflanzten, eine
Bank und eine
Stele stifteten für das Wachstum des ehrenamtlichen Engagements.
An
öffentlichen Fördermitteln gab es sehr geringe Beträge,
in Radolfzell
tatsächlich nur etwa 750,- Euro für Sachkosten jährlich
(allerdings sind noch
Personalkosten für eine volle Stelle abgerechnet worden), was auch
zur
Diskussion der Frage „BE als Einsparungspotenzial?“
führte. Es sei unglaublich, welches
Kostenbewusstsein man in den Projektgruppen erreiche, wenn stringent
Ansätze
des Projektmanagements auf der Zeit, Kosten- und Nutzerschiene
eingehalten
würden. Es gab auch den ethischen Grundsatz „verlange von
keinem, was du
nicht bereit bist, selbst zu tun! Am 8. Februar
2001 traf sich
erstmals die Radolfzeller „Interessengemeinschaft Selbsthilfegruppen“
(IGS) im BIS-Treff in der
Teggingerstraße. Am 21. Oktober 2001 fand im Milchwerk der erste
Selbsthilfetag
mit 44 Gruppen, die sich dort vorstellten, statt. Es gab Erfolg im
Wettbewerb
zur Auszeichnung kommunaler Bürgeraktionen im Jahre 2000
(Rundschreiben
Regierungspräsidium Freiburg vom 14. Juni 2000): Aus Radolfzell
erfolgte die
Bewerbung der Gruppe „Frauen treffen Frauen“, eine seit Februar 1998
zur
Förderung der Gleichbehandlung von Frauen und Männern, zur
Hilfe für soziale
Randgruppen, zur kommunalen Präventionsarbeit, für einen
Besuchsdienst im
Altenheim, für einen seit 1999 ausgelobten Naturgarten-Wettbewerb
ohne
exotische Pflanzen und weiteres Einbringen in die lokale Umsetzung der
Agenda
21 vorbildlich wirksame Initiative. Sie unterstützen auch den
Förderverein des
Frauen- und Kinderschutzhauses Radolfzell. Der Preis wurde am 6.
März 2001 vom
Regierungspräsidium Freiburg im Rathaus übergeben. Am 27.
Februar 2002 erfolgte
in Stuttgart eine Ehrung für Renate Auer aus Radolfzell,
Vorsitzende des 1980
gegründeten Elternkreises drogengefährdeter und
drogenabhängiger Jugendlicher. Zu nennen ist
auch das
BELA-Projekt: Bürgerschaftliches Engagement für
Lebensqualität ab „50+“, seit
2003 ein Konzept für eine selbstverwaltete Wohngemeinschaft mit
übergreifender
Funktion vom betreuten Wohnen bis zur Pflege, mit lebenslangem
Wohnrecht. Es
entstand der Plan für eine „Wohnen Alternativ Gestalten (WAG)“
Stiftung e.V.
mit monatlichen Treffen, etwa am 5. Mai 2004 in der
Höllturm-Galerie, wo
Differenzen der Teilnehmer diskutiert wurden. Man gründete einen
Verein mit
regelmäßigen Sprechstunden donnerstags 16-17 Uhr im Haus der
Diakonie. Bei den
Terminen ging es auch z.B. am 17. Juni 2004 um Lebensqualität
durch kreative
Beschäftigung mit Lebenserinnerungen ( in Steißlingen ). In
einem Gedicht von
H. Walch hieß es: „Nicht nur sie verrinnen lassen und
abgewartet, sondern
ihr Leben gegeben, sie eingetauscht gegen Erlebnisse, Erfahrungen,
Lachen und
Weinen, Staunen und Bewundern; genützt für uns und andere –
sie erfüllt!“ Eine
Begleitung erfolgte durch die Plattform im Landesnetzwerk BE, die ARBES
e.V.
(Arbeitsgemeinschaft BE Seniorengenossenschaften). Heute aktiv ist
die Initiative „Senioren
ans Netz – Dialog der Generationen“ in der Computeria
Radolfzell,
eine seit 1998 von St. Gallen, Davidstraße 16 initiierte
PC-Stuben-Bewegung für
Senioren, www. computerias.ch. Montags und donnerstags trifft man sich
im
Alten- und Pflegeheim Radolfzell in der Poststraße 15 und
Seestraße 46. Dort sind kostenlose
Surfstationen. Zur
Betreuung kommen Teilnehmer der SMV des Friedrich-Hecker-Gymnasiums und
des
Jugendgemeinderates, sowie mindestens zwei Personen aus der Gruppe, die
von
Renate Auer und Dieter Bock geleitet wird. Seit 15. März 2006 gibt
es in
Stockach eine „Computeria“, weitere Computerias wurden am 26.
Oktober
2003 in Gottmadingen und 22. Mai 2002 in Rielasingen gegründet mit
Hilfe der
rührigen Radolfzeller „Senioren ans Netz“. Inzwischen
verfügen sie über eine Web-Seite: www.
BIS-Radolfzell.de\Computeria.html
– Das Hospital zum Heiligen Geist und die
VHS Radolfzell eröffnen in einer gemeinsamen Aktion interessierten
SeniorenInnen der Stadt Radolfzell die Möglichkeit, das Medium PC
und die große
Welt des Internet kennen zu lernen. Surfen und chatten
sind Begriffe, die vornehmlich von der jungen Generation gebraucht
werden und
zwischenzeitlich zum alltäglichen Sprachschatz gehören. Viele
Ältere haben aber
zum PC keine Beziehung oder gar Angst davor, wie sie nicht wie die
Kinder und
Jugendlichen damit aufgewachsen sind. Interesse ist zwar bei vielen
SeniorenInnen vorhanden, jedoch mangelt es ihnen oft an
Zugangsmöglichkeiten.
Diese Möglichkeit wird nun mit der Aktion Betreutes Surfen
geboten, ... die Mitarbeit bereits „fortgeschrittener“ SeniorenInnen im
Betreuungsteam ist jederzeit herzlich willkommen. Neben den
begleiteten,
kostenfreien Surfstunden besteht auch die Möglichkeit, Briefe zu
schreiben oder
kleine Texte zu verarbeiten. Auch hier ist man den SeniorenInnen
behilflich und
stellt ihnen das hierzu benötigte Werkzeug zur
Verfügung.“ Zukunft und
Ausblick
Eine Gratulation zu zehn Jahren ist natürlich auch eine Aufforderung zum „Weiter so!“ Das Diakonische Werk des evangelischen Kirchenbezirks Konstanz, Geschäftsstelle Radolfzell in der Tegginger Str. 16 schreibt in der Internetpräsentation des BIS: „Im November 1997 wurde in Radolfzell eine enge Kooperation zwischen dem Diakonischen Werk, der Stadt, dem Seniorenbeirat und dem Sozialministerium BaWü zur Zusammenarbeit – im Rahmen des BE – gegründet. Radolfzell ... einer der vom Sozialministerium finanziell geförderten Modellstandorte.“ Vor diesem Hintergrund wäre eine breitere Basis des BIS auch unter Einbeziehung von Firmen, die sich für „Corporate Citizenship“ engagieren wollen – mit neuem Schwung angeraten. Gerade die Generationen der Geburtsjahrgänge 1940-60, die heute nicht mehr voll in der Mitte der Gesellschaft stehen, sondern als Ältere, Arbeitslose oder Rentner dem sozialen Abstellgleis entgegengehen, jedoch zeitlebens etwas rebellisch, kommunitaristisch oder zumindest nicht so an materiellen Werten interessiert waren, sollten mit einer zündenden, mobilisierenden Idee noch begeisterungsfähig sein. Es geht um Eigeninitiative von Bürgern, um Partizipation, Freiwilligkeit und eine damit verbundene Win-Win-Situation aller Beteiligten. Warum nicht viele dezentrale Projekte und Treffpunkte der einzelnen Gruppen haben und weitere neue Ideen anstreben? Haben wir selbstständige Aktionen und Projekte verlernt? Wollen wir uns auf „Hospitalismus“ konditionieren und uns bevormunden lassen? Ich fürchte, die Generation 50+ wird eines Tages damit konfrontiert, dass sie so viele sind und dem kann man sich nur durch Aktivitäten für die Allgemeinheit stellen. Der vorliegende Aufsatz entstand am 18.
August 2006 nach Aktenrecherche der BIS-Unterlagen 1997-2006, denen
alle
zitierten Aussagen entspringen. Verfasser ist der Historiker Dietmar
Dieckmann,
Konstanz. |